Artikel aus der „Südtiroler Tageszeitung“ vom 15. März 2019

Ein Euregio-Wintercamp der ganz besonderen Art

Vor Kurzem fand das zweite Wintercamp für herzkranke Kinder in Südtirol statt. Dabei konnten nunmehr ein weiteres Mal nach der erfolgreichen Premiere im Winter 2018 im Ultental, Kinder und Jugendliche mit einem angeborenen Herzfehler zwischen 8 und 18 Jahren unter kompetenter Aufsicht sportlich aktiv sein. Die Beteiligten hatten dabei viel Spaß auf der Skipiste auf dem Roßkopf in Sterzing, genossen aber ebenso die Zeit im Schwimmbad, trainierten in der Turnhalle und versuchten sich im Langlaufen auf der Loipe in Pfitsch. Neben den vielen sportlichen Aktivitäten gab es als einer der Höhepunkte einen packenden Vortrag des Extrembergsteigers Nikolaus Gruber mit seinen Kollegen Daniel Ladurner, Wolfgang Hell und Michael Sinn, der unter dem Motto „Niemals aufgeben“ stand .

Es erfüllt sich manchmal ein langersehnter Wunsch, so bringt Kinderherz-Präsident Ulrich Seitz die letzthin mit viel Emotionen abgewickelte Initiative auf den Punkt. Zwar gibt es längst eine Zusammenarbeit der Vereinigung Kinderherz mit den Herzspezialisten in München, sowohl mit der Universitätsklinik als auch mit dem Deutschen Herzzentrum. Man würde meinen, eine übliche weiße Woche im Schnee. Für diese Kinder aber sind Kälte und Höhe von vornherein eine Herausforderung, da beides für größere Belastungen ihres Körpers sorgt. Belastbarkeit und Freizeitgestaltung hängen eng zusammen.

Häufig müssen die Eltern rätseln, ob ihr herzkrankes Kind am Sonntag einfach nicht mag – oder ob es sich objektiv nicht gut fühlt, um mit der ganzen Familie etwas unternehmen. Besonders im Winter.

Wo genau die Belastungsgrenzen eines jeden einzelnen verlaufen, lässt sich nur unter medizinischer Betreuung feststellen. Zumal: Früher rieten Mediziner vehement Eltern davon ab, ihr Kind sportlich aktiv sein zu lassen. Dank des medizinischen Fortschritts gilt heute das Gegenteil – im Rahmen der individuellen Möglichkeiten.

Gleich der Großteil des Teams von KidsTUMove aus München ist dieses Jahr nach Kematen ins Pfitschtal angereist. KidsTUMove ist eine von der sehr bekannten deutschen Herzspezialistin Renate Oberhoffer ins Leben gerufene Expertengruppe. Ihr Ziel ist es, mit Kindern betreute Outdoor-Aktivitäten durchzuführen. Anhand von wissenschaftlich fundierten Tests während des Wintercamps erfahren die Experten mehr über den Herz-Kreislauf kindlicher Herzpatienten.

Für die Kinder ist ein solches Wintercamp noch viel mehr: Motivationstraining und sie lernen ihre Belastbarkeit unter Kälte auf dem Berg kennen. Zugleich sie sind Probanden der medizinischen Forschung und verbringen untereinander ausgelassene Tage. „Sommercamps veranstaltet KidsTUMove seit zehn Jahren“, so Ulrich Seitz. Als Kinderherz Südtirol davon erfahren hat, haben wir der Medizinerin Renate Oberhoffer den Floh ins Ohr gesetzt: „Warum nicht auch einmal ein Wintercamp in Südtirol? Für die Herzspezialistin ist Kematen nach Ulten im Vorjahr vor allem wegen der Meereshöhe ein geeigneter Forschungsort.

Auch heuer waren die Erwartungen des Deutschen Expertenteams beim Wintercamp klar mit den jungen Menschen abgestimmt, und zwar:

  • unbeschwerter Spaß an der Bewegung
  • Grenzen austesten, neue Bewegungsmuster lernen
  • Selbstbewusstsein stärken
  • Gemeinsamer Austausch in der Gruppe
  • Bewegung in der Natu

Kinderherz, so Vorstandsmitglied Christian Parteli und Koordinator des Wintercamps begrüßt es, dass Südtirol als Austragungsort dieser Initiative. Kinder unterschiedlichen Alters mit verschiedenem Erkrankungsgrad, verschiedenen psychosozialen Hintergründen der Kinder zusammenführt um die Auswirkung von klimatischen Bedingungen (Höhe, Kälte,) genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Tendenz an neuen Patienten mit einem angeborenen Herzfehler pro Jahr nimmt leider in Südtirol nicht ab. Wir erreichen fast konstant bis zu 70 neue Fälle im Jahr. Derzeit sind dem Verein rund 10.000 Menschen mit einem angeborenen Herzfehler bekannt. Grundsätzlich die Entwicklung in jedem Fall sehr individuell und abhängig von Herzfrequenzen, der Anzahl von durchgeführten Operationen/Eingriffen, restlichen Befunden zu zusätzlichen Erkrankungen, das heißt auch von Begleiterkrankungen.

Die Ärztinnen Dr. Friederike Wippermann vom Deutschen Herzzentrum München und Dr. Alice Pozza vom Krankenhaus Bozen bildeten in jeder Situation im winterlichen Wipptal mit Sport- und Gesundheitswissenschaftlern von der Technischen Universität München ein äußerst aufmerksames Team. Die insgesamt 16 teilnehmenden Herzpatient/innen aus Südtirol, Trentino und Bayern wurden durch regelmäßige Messungen kontrolliert. Die Auswertungen sollen nun längerfristig Aufschluss darüber geben, wie die Teilnehmer/innen mit unterschiedlichen Herzfehlern unter körperlicher Belastung in einer Höhe von bis fast 2.000 Höhenmetern reagieren.

Nach diesen fünf Tagen fuhren alle Kinder mit einem Sack voller Erinnerungen,einem gestärkten Selbstbewusstsein und einem großen Erfahrungsschatz nach Hause: Natürlich wurden auch neue Freundschaften geknüpft und alle freuen sich bereits auf das nächste Wintercamp im Jahr 2020.

Der Verein Kinderherz möchte, so Präsident Seitz, in ganz besonderer Weise den Sponsoren des Vorhabensens danken, unter anderem dem neuen Partner Turbinen Troyer, der wie andere als wertvolle Unterstützer, solche Projekte überhaupt erst ermöglichen.

Hier geht es zur Bildergalerie!
https://www.kinderherz.it/bildergalerie/wintercamp-im-wipptal/

Artikel aus der Tageszeitung „Dolomiten“ vom 14. März 2019

„Aufgeben tut man nur die Post…“

Ein Herz für Kinder: Das haben auch der Ultner Bergrettungschef und Höhenbergsteiger Nikolaus Gruber, Alpinist und Biobauer Daniel Ladurner aus Tscherms und der Kalterer Freerider und Alpinist Michael Sinn …

Artikel in der Sonntagszeitung Zett vom 3. März 2019

Ich spreche mit meinem neuen Herzen

Über 40 Jahre lang lebte Günther Righi aus St. Leonhard im Passeier mit einem angeborenen Herzfehler. Normalität war für ihne ein Fremdwort. Seit er bei einer Transplantation vor zwei Jahren ein neues Spenderherz erhielt, erlebt der heute 46-Jährige ein „zweites Leben“ – und ist stets im Gespräch mit seinem neuen Herzen.

Artikel in der Südtiroler Tageszeitung 2./3. Jänner 2019

Das Kämpferherz

In Südtirol kommen jährlich 50 bis 60 Kinder mit einem Herzfehler zur Welt. Julian ist einer von ihnen. Sein Vater Jan erzählt von den bewegenden, aber auch sehr schönen Momenten.

Dolomitenartikel vom 20. Dezember 2018

Weiß-Kreuz-Jugend begleitet Gruppe nach Kufstein – Tolles Wochenende für herzkranke Kinder – Seitz: Wunderbares und einzigartiges Projekt

Dolomitenartikel vom 20. Dezember 2018

Viele prominente Unterstützer bei Lichterweihnacht in St. Michael/Eppan – Spenden für herzkranke Kinder

Dolomitenartikel vom 21. November 2018

Bei Vollversammlung wurden die vielen Herausforderungen und Schwierigkeiten von Eltern mit herzkranken Kindern aufgezeigt.

Unlängst hat die jährliche Vollversammlung im Rahmen eines gemeinsamen Familienwochenendes in Oberbozen stattgefunden und es kamen die großen Herausforderungen an den Verein zur Sprache:

Es gibt demnach weiterhin viel zu tun, auch weil jedes 100. Kind in Südtirol wird mit einem Herzfehler geboren wird.  Jedes Jahr müssen in Italien ca. 2.000 Kinder am offenen Herzen operiert werden. Diese Kinder haben einen lebenslangen Weg vor sich. Und die Eltern und Geschwister gehen diesen Weg mit. Die Eltern setzen sich voller Energie, Mut und Fantasie für ihre herzkranken Kinder ein, damit sie ein möglichst gutes und unbeschwertes Leben führen können. Ihnen gebührt ein riesiges Dankeschön, da der öffentliche Gesundheitsdienst nur einen Bruchteil von dem abdeckt, was die Betroffenen effektiv benötigen. Die Vereinigung Kinderherz ist zudem auf die Spendenbereitschaft privater Gönner angewiesen, damit die dringend notwendigen Arbeiten, die der Vorstand mit unzähligen Freiwilligenstunden in der Vereinigung garantiert, auch weiterhin für Südtiroler Familien gewährleistet werden können.

Die Unterstützung von Kinderherz hat viele Gesichter. “ Wir fördern die Integration der Betroffenen in die Gesellschaft, bieten psycho-soziale Hilfe, unterstützen Familien, wenn die Diagnose „Herzfehler“ festgestellt wird – auch vor der Geburt, etablieren die familienorientierte Rehabilitation, bieten Sport- und Begegnungsprogramme für herzkranke Kinder und Familien und engagieren uns aktiv bei Vorschlägen für die  Gesundheitspolitik“, so Ulrich Seitz. Südtiroler Fälle, bei denen die schwierige Diagnose eines angeborenen Herzfehlers festgestellt wird, müssen nicht selten über längere Zeit in einem der spezialisierten Zentren außerhalb des Landes Südtirol, meistens nach Padua oder auch nach München. Hier wird die Vereinigung verstärkt administrative Hilfen im Zusammenhang mit der Überweisung der Kinder in die genannten Strukturen anbieten. Ebenso entstehen oft Fragen im Zusammenhang mit der Finanzierung von Therapieaufenthalten nach einem Eingriff oder bei der Informations- und Sensibilisierungstätigkeit in Kindergarten bzw. in der Schule. Unsicherheiten beziehen sich oft auf die Möglichkeiten der „angemessenen“ Bewegung oder beim Schulsport. Hier wird der Verein auf eine einheitliche Linie bei der Aufklärung landesweit drängen. Entsprechende Aussprachen mit den Schullandesräten im Lande sind demnächst geplant. Ein wichtiges Vorhaben ist und bleibt  die Entwicklung eines Bewegungskonzeptes für Kinder und Jugendliche. Seit kurzem ist wieder die Herzsportgruppe für Kinder mit ausgebildeten Therapeuten angelaufen, die wöchentlich während der Schuljahr in Bozen angeboten wird.

Dieser Austausch mit erfahrenen Experten auf dem Gebiet ist unverzichtbar, da es leider immer noch so ist, dass über viele Kinder, auch in Südtirol eine Einschränkung von sportlichen Aktivitäten verhängt wird, ohne dass dies medizinisch gerechtfertigt wäre. Das liegt daran, dass Ärzte und Lehrpersonal oft nicht genug informiert sind und daher sicherheitshalber sehr viel unbegründete Vorsicht walten lassen.

Sehr bedenklich scheint dem Vorstand der Mangel an Fachärzten auf dem Gebiet der Kinderkardiologie sowie was die Kinderkardiochirurgie angeht. Evident wird die Situation bei fachübergreifenden Behandlungen, wo sehr oft die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Krankenhäusern in Südtirol fehlt. Alles lastet auf dem Zentralkrankenhaus Bozen und auch dort gibt es Schwierigkeiten in der Abstimmungen, vor allem im Übergang vom Kindes- ins Erwachsenenalter.

Der Verein Kinderherz möchte deshalb weiterhin die Beziehungen des Landes Südtirol mit den Fachzentren im deutschsprachigen Ausland sowie in Norditalien stärken, besonders bei komplexen Fragestellungen, wo beispielsweise nicht nur das in Mitleidenschaft gezogene Herz, aber ebenso andere Organe mit Gesundheitsleistungen versorgt werden müssen.

Es ist problematisch wenn die körperliche Leistungsfähigkeit durch fehlende Bewegung beim Kind abnimmt. Das hat zur Folge, dass die Geschicklichkeit nicht trainiert wird, Kreislaufbeschwerden und Haltungsfehler auftreten, die  Kinder an Selbstvertrauen verlieren, nicht zuletzt weil sie mit Altersgenossen nicht mithalten können. Sie fühlen sich ausgegrenzt und eignen sich Verhaltensmuster, die sogar in die in eine soziale Isolierung führen können. Dem wollen wir mit aller Vehemenz, so Seitz entgegenwirken. Der Verein Kinderherz wird nicht müde, an die Notwendigkeit einer engen  Kommunikation zwischen Eltern und Medizinern zu erinnern. Gerade in lebensbedrohlichen Situationen gelte es durch Integrität, Offenheit und Hilfsbereitschaft verständliche Ängste von Kindern und ihren Eltern abzubauen, um deren Vertrauen zu gewinnen und eine erfolgreiche Behandlung durchführen zu lassen. Das kann nur geschehen, wenn ein verlässliches Betreuungsnetzwerk zwischen den Krankenhäusern in Südtirol und den universitären Einrichtungen außerhalb unseres Landes längerfristig angestrebt wird, so der Vorstand von Kinderherz.

Präsident Seitz unterstrich die herausragenden Arbeiten im Ehrenamt bei Kinderherz:

  • „Wir informieren und beraten Eltern und Angehörige herzkranker Kinder über die Erscheinungen, Folgezustände und Behandlungsmöglichkeiten von Herzerkrankungen im Kindesalter.
  • Wir fördern den Kontakt und den Erfahrungsaustausch betroffener Familien untereinander
  • Wir unterstützen Familien bei der Behandlung des herzkranken Kindes im In- und Ausland und geben organisatorische Hilfestellung bei Rehabilitationsaufenthalten.
  • Wir setzen uns für eine psychologische Betreuung und Begleitung betroffener Familien ein“.

Zahlreiche Initiativen stehen demnächst wieder bei Kinderherz an. Ein Höhepunkt ist dabei bestimmt der Benefizabend im Rahmen der Eppaner Weihnacht am Samstag, den 15.12.2018, bei dem ab 16 Uhr ein stimmungsvolles Fest zur Sensibilisierung von Herzerkrankungen stattfindet.

Alle Interessierten sind herzlich dazu eingeladen, um mit Betroffenen und Prominenten diesen Anlass mit tollen Aktionen zu genießen.

Zum Nachlesen:


„Wie ein Kind, das seine ersten Schritte macht“

Günther Righi war ein geschwächter junger Mann mit zyanotischer Hautfarbe. Günther Righi 2 radelt, wandert, klettert durch die Bergwelt. Dazwischen liegt eine Herztransplantation. Chirurgisch ist das heute längst eine Routineoperation, vorausgesetzt, andere erklären sich zur Organspende bereit. Für Betroffene ist es wie ein Wunder.

Was bedeutet Sport für Sie?

Günther Righi: Alles. Ich bin überglücklich, wenn ich Sport betreiben kann. Heute nutze ich jede Gelegenheit dazu. Meine Kondition und Kraft steigern sich. Das ist ein gutes Gefühl.

Wann haben Sie mit Sport begonnen?

Nach der Transplantation. Am 13. Juli vor zwei Jahren, 2016, habe ich mit 44 Jahren ein neues Herz bekommen. Wer mich heute beim Biken, im Fitnessstudio, beim Klettern oder beim Kampfsport sieht, denkt wohl nicht daran, dass ich herztransplantiert bin.

Man sieht es Ihnen nicht an…

… das war nicht immer so. Als Kind wurde ich oft gehänselt: Ah, da kommt der lilablassblaue Waldgeist. Das war eine Katastrophe für mich, vor allem weil ja jeder wusste, dass ich einen Herzfehler hatte. Aufgrund einer Zyanose ist mir oft das Gesicht blau angelaufen und ich bin bei leichter Anstrengung sofort außer Atem geraten. Das ist die Folge, wenn das Blut mit zu wenig Sauerstoff versorgt wird. Aufgrund meines komplexen Herzfehlers war das sehr oft der Fall. Für mich war es normal, für andere nicht. Manche sind damit nicht zimperlich umgegangen.

Wann wurde ihr Herzfehler entdeckt?

Gleich nach der Geburt, ich war damals bei einer Ziehfamilie untergebracht. Da ich nicht zunahm und nach jeglicher Nahrungsaufnahme mich erbrechen musste, wurde ich ins Krankenhaus gebracht. Bei der ersten OP in Innsbruck war ich 13 Monate klein. Die Ärzte sind damals nicht davon ausgegangen, dass ich erwachsen werden würde.

Wann konnten sie sich nach der Transplantation 2016 zum ersten Mal bewegen?

Relativ schnell. Ich bin nur wenige Wochen nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus auf den Jaufenpass gefahren. Alleine. 43 Jahre lang hatte ich Ängste, Panikattacken. Und nun war es mir möglich, da oben allein zu sein. Dieses Gefühl war unbeschreiblich, ein Gefühl der Freiheit, einfach zu wissen ich habe es geschafft.

Ist die Lust auf Sport erst mit der Transplantation entstanden?

Ich war immer schon für Kampfsport zu begeistern. So habe ich auch 17 Jahre vor der Transplantation in dieser Sportart mit trainieren können. Es war ein glücklicher Zufall, einen Kampfsport-Fitnesstrainer kennen zu lernen, der mich langsam zu diesem Sport geführt hatte. Ich bin heute überzeugt ohne Sport hätte es mein eigenes Herz nicht so lange geschafft. Deshalb finde ich es äußerst wichtig, dass Herzpatienten Sport betreiben. Die Ärzte in Südtirol und in Innsbruck haben immer abgeraten, aber die in München haben meinen Eltern gesagt, ich könne ruhig Sport betreiben. Nur wussten sie nicht zu sagen, in welchem Ausmaß. Das, so sagten sie, müsste ich selbst einschätzen. Meine Zieheltern hatten zwar viel Angst um mich, ließen mich aber alles probieren. Die Ärzte im Herzzentrum München waren immer wieder davon erstaunt, wieviel ich schaffte. Der Motor dafür war mein Bewegungsdrang und mein Kopf, der mich nie aufgeben ließ. Ein Spruch den ich mir in meinem Leben immer wieder einprägte war: Ohne Kampf kein Sieg!

Sie haben die Auswirkungen Ihres Herzfehlers gut kompensieren können?

Ich denke eher, dass mein Preis diese zyanotischen Zustände war, für die ich angestänkert worden bin, als Kind, als Jugendlicher, als Erwachsener. Meine Ziehfamilie hat alles für mich getan, dass es mir gut geht – nicht nur in meiner Kind und Jugendzeit. Insgesamt bin ich fünfmal operiert worden, bis eine Transplantation unausweichlich wurde.

Wie hat sich das angekündigt?

Ich habe 1997 mit dem Kickboxen begonnen und habe irgendwann die Kinder und Jugend in Passeier trainiert. Ich wurde immer schneller müde und zyanotisch. Das ging bis 2011. Dann musste ich das Trainieren lassen.

Sie haben im Krankenhaus von Meran gearbeitet?

Ja, auch das war oft eine Qual. Die Turnusarbeit, im Winter die Kälte. Das schlimmste waren wohl die Blicke der anderen und nicht selten die Kommentare, die ich über mich ergehen lassen musste.

Sie wurden in München operiert?

Nein, in Padova. In München hat man mich 2015 für zehn Tage stationär aufgenommen, es hatte sich im ganzen Körper Wasser angesammelt und das Atmen fiel mir sehr schwer. Ich musste teilweise im Sitzen schlafen. Bis dahin ging ich weiterhin zur Arbeit und half, so gut es ging, im Haushalt mit den beiden Kindern. Nach den zehn Tagen führten meine damalige Frau und ich ein Gespräch mit dem Klinikdirektor. Er schilderte uns die Situation und sagte, es müssten das Herz und eine Lunge transplantiert werden. Dies würde ich allerdings nicht überleben. Mit der Aussicht wurde ich entlassen. Der Primar, der Kardiologie von Meran war es, der mich nach Padua überstellt hat. Im Spätherbst 2015 haben sie mich für sechs Wochen stationär aufgenommen und von Kopf bis Fuß untersucht. Die neue Diagnose: Es müsste lediglich das Herz transplantiert werden. Am 10. Dezember 2015 kam ich auf die Spenderliste. Sieben Monate später, am 12. Juli, erhielt ich um 19:50 Uhr den Anruf aus Padua, es stehe ein Herz zur Verfügung. Ich lag zu diesem Zeitpunkt bereits vier Monate in der Kardiologie im Krankenhaus von Meran.

Wie war es als der Anruf kam?

Ich habe immer gesagt, wenn der Anruf kommt, ist alles nur mehr halb so schlimm. Ich wurde mit der Ambulanz nach Padua überführt. Dort angekommen, fühlte ich mich aber allein. Vor allem wohl auch, wegen der Scheidung, die zu der Zeit im Gang war, und wegen meiner beiden Kinder, die ich natürlich Angst hatte, nie mehr wieder zu sehen. Es war inzwischen 23:50 Uhr. Bevor ich in den Operationssaal gebracht wurde, sagten mir die Krankenschwestern, sie lassen mich jetzt noch eine halbe Stunde allein. Mein bisheriges Leben ging mir noch einmal durch den Kopf, ich wusste nicht, ob ich mich freuen soll, weinen oder davonlaufen. Ich schrieb noch eine Mitteilung an die Patinnen unserer Kinder, sie möchten bitte, falls es nicht gut ausgeht, immer für sie da sein.

Erinnern Sie sich an den ersten Gedanken, als Sie nach der OP aufgewacht sind?

Ja. Der erste Blick traf den großen Monitor gegenüber von meinem Bett. Ich versuchte die Sauerstoff-Sättigung abzulesen, daran erkannte ich, dass die Transplantation gut gelaufen war. Früher hatte ich eine Sättigung von 70 Prozent, nun war diese über 90 Prozent, beinahe im Normbereich.

Wenn Sie mit dem Sport gleich angefangen haben, konnten Sie auch gleich wieder ihre Arbeit aufnehmen?

Das hat dann etwas gedauert, weil ich ständig zu Kontrollen fahren musste. Aber ich hielt mich an Orten auf, welche vorher nie möglich gewesen wäre. Immer wieder kam es mir vor, ich sei ein Kind, das seine ersten Schritte macht. Ein unglaubliches Gefühl, für das ich nicht nur einmal am Tag danke. Wieder zu arbeiten, darauf freue ich mich sehr – aber jetzt, wo ich alles tun kann, möchte ich eine neue Arbeit finden.

Was genau für einen Arbeitsplatz suchen Sie?

Ich stelle mich gerne neuen Herausforderungen. Ich bin handwerklich recht geschickt und habe einen guten Umgang mit Menschen: mal sehen. Ich lasse mich gerne überraschen und freue mich, was im Leben auf mich zukommt.